Werner Esser moderierte die Diskussion Bild: SPD BaM

Breitbandausbau ist Zukunftsaufgabe in Dörfern und Stadt

„Eine hohe Datenübertragungsgeschwindigkeit ist ein immer wichtigerer Standortfaktor für Unternehmen.“ meint Fritz Rötting. Der Geschäftsführer der IHK Aachen erntet allgemeine Zustimmung. Knackpunkt ist, wie der ländliche Raum besser an das Breitbandnetz angeschlossen werden kann. Die Friedrich-Ebert-Stiftung lud zu einer Diskussionsveranstaltung zum schnellen Internet in das Münstereifeler Kurhaus. Die Runde wurde von Werner Esser moderiert, der nicht immer mit den Diskussionsteilnehmern einer Meinung war, aber mehr Druck für den Breitbandausbau machen möchte.

„Förderprojekte können ein Hindernis für einen schnellen Breitbandausbau sein.“ betont Dr. Michael Krause von BreitbandConsulting.NRW und macht damit auf die langwierigen Verfahren aufmerksam, welche ein Hemmnis darstellen würden: „Würden Sie investieren, wenn noch unklar ist, ob vielleicht in Kürze dafür Fördermittel fließen könnten?“. Ferner plädierte Krause dafür, dass auf dem Land aufgrund der Kostenstruktur für den Ausbau auch höhere Preise einer Flatrate gegenüber den Städten gerechtfertigt wären, da ansonsten das Leben auf dem Land auch Vorteile gegenüber den Städten böte. Der stellvertretende Landrat Markus Ramers widerspricht: „Der ländliche Raum ist bei vielen Dingen wie z. B. ÖPNV benachteiligt und viele Pendler sind bereit, lange Fahrten auf sich zu nehmen.“ Für Ramers sei wichtig, dass nicht die Kommunen einzelt beim Breitbandausbau agieren, sondern der Kreis gemeinsam mit den Kommunen das Thema viel stärker vorantreiben könne. „Leider hat man dies beim Konjunkturpaket versäumt, allerdings ist auch verständlich, dass die Kommunen zunächst das Geld in andere wichtige Projekte wie z. B. Schulen gesteckt haben.“ sagte Ramers und fügte hinzu, dass wir das nun gemeinsam mit dem Kreis Düren vorwärts bringen müssen. Er meint, dass man notfalls über die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft nachdenken sollte.

Werner Esser erwähnte, dass einige Bürger das Thema Breitbandausbau tatkräftig selbst in die Hand genommen haben. Als Beispiel nannte er die Dörfer um Houverath. Solche Projekte müssten durch die Kommune auch stärker unterstützt werden.

Edmund Komar ist Inhaber von „people.innovations.partners“ aus Bad Münstereifel und sieht Tendenzen, dass Internetvideos im Marketingbereich immer wichtiger werden: „Mittlerweile schauen Jugendliche mehr Videos in Youtube-Channeln als normales Fernsehen.“. Als Beispiel nannte Komar junge Frauen, welche in Videos über Einkaufsprodukte berichten, sodass dieses Medium für die Werbewirtschaft an Bedeutung zunimmt. Dabei wären auch schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten immer wichtiger.

Im Anschluss an die Diskussion wurden noch Fragen von den Zuhörern beantwortet. Dabei wurde unter anderem auch der mögliche Ausbau des funkübertragenden Internets via LTE aufgeworfen. Dr. Krause sieht hier wenig Potenzial, da das System über die Funkzellen nur eingeschränkte Kapazität böte.

Jochen Reeh-Schall von der Friedrich-Ebert-Stiftung lud anschießend noch zu einem Umtrunk ein. Dabei hatten die Teilnehmer die Möglichkeit mit den Diskussionsteilnehmern in lockerer Runde zu sprechen.